Die Intensivierung der Rapsverarbeitung in der Ukraine und die veränderte Exportstruktur könnten den polnischen Agrarmarkt erheblich beeinflussen. Polen prüft bereits die potenziellen Risiken, die sowohl mit dem verstärkten Wettbewerb auf dem Pflanzenölmarkt als auch mit dem Druck auf die eigenen Verarbeitungsbetriebe verbunden sind.
Insbesondere wird befürchtet, dass der Übergang der Ukraine vom Export von Rohstoffen zum Export von verarbeiteten Produkten das regionale Gleichgewicht verändern könnte. Dies führt zu zusätzlichem Wettbewerbsdruck auf polnische Betriebe, die bereits jetzt aufgrund von Rohstoffknappheit mit regelmäßigen Produktionsausfällen zu kämpfen haben.
Darüber hinaus prognostiziert Polen, dass die sinkende Verfügbarkeit von importiertem Raps die Inlandspreise sowohl für den Rohstoff selbst als auch für Rapsfuttermittel beeinflussen könnte. Eine Reduzierung der Verarbeitung im Inland könnte wiederum sowohl die Ölproduktion als auch die heimischen Quellen pflanzlichen Eiweißes einschränken.
Polnische Agrarfachzeitschriften weisen darauf hin, dass die Ukraine dank ihrer Entscheidungen, insbesondere des Embargos, zunehmend nicht mehr nur Rohstofflieferant für den EU-Markt ist, sondern sich zu einem stärkeren Akteur im Segment der verarbeiteten Produkte entwickelt.
Die Materialien betonen, dass dies das Kräfteverhältnis auf dem Markt verändert und ein alarmierendes Signal für Polen darstellt. Es geht um potenzielle Veränderungen nicht nur in der Struktur der Pflanzenölproduktion, sondern auch in der Stabilität der Rohstoffversorgung der polnischen verarbeitenden Industrie.
Im Zeitraum vom 1. Juli 2025 bis Ende März dieses Jahres stiegen die Pflanzenölexporte aus der Ukraine wertmäßig um 21,1 %. Polen ist nach Spanien der zweitgrößte Importeur von ukrainischem Rapsöl.
Politisch meldet Polen zudem eine Verschlechterung der Lage seiner eigenen Rapsbestände. Aufgrund von Dürre und Aprilfrösten verschlechtert sich der Zustand der Pflanzen, und das Ertragspotenzial wird auf einigen Feldern auf nur noch 1–1,5 Tonnen pro Hektar geschätzt.
Dies ist von strategischer Bedeutung für die Ukraine, da Polen einer der Hauptakteure im Rapshandel der Europäischen Union ist. Sollte die Ernte des Landes weiter zurückgehen, wird der Bedarf an importierten Rohstoffen steigen, was den gesamten regionalen Markt beeinträchtigen wird.
Polnische Verarbeitungsbetriebe hatten bereits zuvor einen Rapsmangel gemeldet und die Einfuhrgenehmigung für die Ukraine beantragt. Sie schätzten den Mangel auf mindestens 500.000 Tonnen. Gleichzeitig sind Einfuhren von ukrainischem Raps nach Polen weiterhin untersagt.
Eine Marktöffnung könnte die Preise für ukrainischen Raps aufgrund der erhöhten Nachfrage stützen, was mittelfristig potenziell vorteilhaft für ukrainische Erzeuger wäre.
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