Die verbesserten Wetterbedingungen in der Ukraine in der vergangenen Woche ermöglichten es den Landwirten, die Sonnenblumenernte deutlich zu beschleunigen. Dies linderte die Sorgen der Verarbeiter hinsichtlich Rohstoffknappheit und -qualität teilweise. Trotz des günstigeren Wetters bleiben die Einkaufspreise für Saatgut jedoch hoch, da die Nachfrage nach Sonnenblumenöl weiterhin das Angebot übersteigt. Laut der elektronischen Getreidebörse der Ukraine stiegen die Sonnenblumenpreise in der vergangenen Woche um weitere 300–500 UAH pro Tonne und liegen nun bei 27.800–28.800 UAH/t bzw. 590–610 USD/t ohne Mehrwertsteuer (bei 50 % Ölgehalt) ab Werk.
Obwohl diese Woche von kühlem, aber trockenem Wetter geprägt ist, wird dies zum Abschluss der Sonnenblumen- und Sojaernte beitragen. Gleichzeitig melden die Erzeuger in den meisten Regionen geringere Erträge. In der Westukraine war die Saatgutqualität jedoch besser als erwartet, was die Mengenverluste teilweise ausgleicht.
Analysten prognostizieren für die Ukraine in diesem Jahr eine Sonnenblumenernte von 10–10,5 Millionen Tonnen, verglichen mit rund 11 Millionen Tonnen in der letzten Saison. Die geringere Ernte hat die Verarbeiter dazu veranlasst, alle verfügbaren Saatgutpartien aktiv aufzukaufen, um die volle Produktionskapazität sicherzustellen. Infolgedessen bleibt der Wettbewerb zwischen den Fabriken um Rohstoffe hoch, was die Preise ebenfalls stützt.
Der Markt erlebt eine gemischte Preisdynamik. Einige Verarbeiter sind gezwungen, ihre Käufe aufgrund fehlender freier Lagerkapazitäten vorübergehend auszusetzen, während andere ihre Käufe fortsetzen und die Preise erhöhen. Die Spotnotierungen für Sonnenblumenöl in der Ukraine sind in der letzten Woche um weitere 20–30 US-Dollar pro Tonne auf 1.230–1.245 US-Dollar/t für die Lieferung an Häfen im Oktober/November gestiegen.
Auf dem Markt für Sonnenblumenmehl ist die Situation dagegen umgekehrt – die Preise fallen weiter. In der letzten Woche sind sie um weitere 5 US-Dollar pro Tonne auf 205–210 US-Dollar/t für die Lieferung an Häfen gesunken. Die Nachfrage aus der Europäischen Union ist nach wie vor sehr gering, weshalb ukrainische Exporteure sich vor allem auf die europäischen Märkte konzentrieren, wo ein Überangebot an Eiweißfuttermitteln besteht.
Der Hauptgrund für den Preisrückgang in der EU war das gestiegene Angebot an Raps- und Sojaschrot. Die europäischen Preise für Rapsschrot sind auf 185–200 Euro pro Tonne gefallen, was auf große Liefermengen und den Druck durch billigen Futtermais und -weizen auf den Weltmärkten zurückzuführen ist. Zum Vergleich: Die Preise für russisches Sonnenblumenöl sind um 10–20 Dollar pro Woche auf 1.200–1.210 Dollar/t FOB gestiegen, was auf eine erhöhte Ölnachfrage in der Schwarzmeerregion hindeutet.
Der ukrainische Sonnenblumenmarkt befindet sich somit weiterhin in einer Phase erhöhter Aktivität. Einerseits stützen geringere Erträge und steigende Ölpreise die Saatgutkosten, andererseits stellen die schwache Nachfrage nach Schrot und die Sättigung des europäischen Marktes mit Eiweißfuttermitteln zusätzliche Herausforderungen für Exporteure dar. Analysten gehen davon aus, dass das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage in den kommenden Wochen vom Tempo des Abschlusses der Erntekampagne und der externen Situation auf dem Ölsaatenmarkt abhängen wird.
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